Bei EHEC-Verdacht keine Selbstmedikation

Berlin, 10. Juni 2011

Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK)

Patienten mit blutigem Durchfall sollten sofort einen Arzt aufsuchen. Beim Verdacht auf EHEC rät die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) von jeder Selbstmedikation dringend ab. Verluste an Flüssigkeit und Mineralstoffen sollten selbstverständlich ausgeglichen werden.

Derzeit werden im Zusammenhang mit EHEC unter anderem Präparate mit Saccharomyces-boulardii-haltiger Hefe oder Cistus incanus-Extrakten beworben. „Soweit wir bislang wissen, sind diese und andere Mittel gegen Durchfall bei EHEC unwirksam. Einige rezeptfreie Arzneimittel könnten bei EHEC sogar schädlich sein: Für Wirkstoffe wie Loperamid gibt es Hinweise darauf, dass diese das Risiko für die schwere Verlaufsform erhöhen können“, sagt Prof. Dr. Martin Schulz, Vorsitzender der AMK. Eine mögliche schwere Verlaufsform ist das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS). Untersuchungen legen nahe: Motilitätshemmer wie Loperamid verlängern die Darmpassagezeit und können so die Aufnahme der Giftstoffe in den Körper fördern, die diese E. coli-Bakterien produzieren.

Quellen:

  • Bell, B.P. et al.: Predictors of hemolytic uremic syndrome in children during a large outbreak of Escherichia coli O157:H7 infections. Pediatrics 100 (1997) E12.
  • Cimolai, N. et al.: A continuing assessment of risk factors for the development of Escherichia coli O157:H7-associated hemolytic uremic syndrome. Clin. Nephrol. 42, 2 (1994) 85-89.
  • Cimolai, N. et al.: Risk factors for the progression of Escherichia coli O157:H7 enteritis to hemolytic-uremic syndrome. J. Pediatr. 116, 4 (1990) 589-592.
  • NN.: Vorsicht Desinformation. Trittbrettfahrer – Werbung für Perenterol. Arznei-Telegramm 42, 6 (2011) 56.